Nauen: Ortsteil Bergerdamm

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Der Orsteil Bergerdamm wurde 2003 nach Nauen eingemeindet. Er besteht allerdings aus den drei Ortslagen Hanffabrik, Hertefeld und Lager. Der Landschleicher des rundfunk berlin-brandenburg (rbb) besuchte Bergerdamm im Jahre 2009 und fand folgendes heraus: Video.

  • Der Preußenspiegel schreibt in seiner Nr. 24/2018 unter der Überschrift Wissenswertes zur Geschichte des Nauener Ortsteils Bergerdamm „Eine Hanffabrik entstand Ende des 19. Jahrhunderts im Ortsteil Bergerdamm. Dazu schreibt der Vorsitzende der Nauener Heimatfreunde Wolfgang Johl: ‚Der Fabrikant Arthur Schurig ließ Ende des 19. Jahrhunderts das Gebiet des Großen Havelländischen Luches zwischen Nauen, Berge, Dreibrück und Hertefeld mit Berliner Hausmüll auffüllen, um darauf Hanf anzubauen. Zur Verarbeitung war es sinnvoll, gleich vor Ort eine Fabrik zu erbauen. Um diese Fabrik siedelte er auch seine Arbeiter an. Somit war der Ort Bergerdamm geboren.'“
  • Der zum Ortsteil gehörige Wohnplatz Bergerdamm-Lager diente während des Ersten Weltkriegs als Internierungslager vorwiegend für französische und russische Kriegsgefangenen, die man zur Arbeit auf den Hanfplantagen und zum Ausbau der Meliorationsgräben heranzog. Weiterhin waren sie bei der Aufschüttung des Bahndamms zwischen Brieselang und Nauen eingesetzt. Danach führte die Berlin-Hamburger-Bahn per Brücke über die Nauener Dammstraße. „Wolfgang Johl erinnert sich und schreibt: ‚Verstorbene Kriegsgefangene wurden im naheliegenden Wald bestattet und auch mit Grabsteinen versehen. Diejenigen Steine, die die Nazi-Diktatur heil überstanden, haben die DDR-Zeit wohl nicht überlebt. Niemand kümmerte sich damals um die Einhaltung der Totenruhe. Heute ist dieses Ereignis bei den jetzigen Bewohnern weitgehend unbekannt.‘
  • Der Wohnplatz Hertefeld, der zu Ehren des Ober-Jäger-Meisters Samuel von Hertefeld seinen Namen trägt, kam im Jahre 1957 zum damaligen Ort Bergerdamm. Hertefeld war Holländer und hatte im Auftrage des preußischen Königs das große Havelländische Luch entwässert und damit bewohnbar gemacht.“
  • Wikipedia liefert weitere Details zu Bergerdamm: Bereits seit dem Ende 19. Jahrhundert bis zum Beginn der 1970er Jahre prägte der Hanfanbau und seine Verarbeitung (Hanffabrik, erbaut 1918), initiiert durch den Berliner Fabrikanten Arthur Schurig (1869-1932) und die ‚Deutsche Hanfanbau-Gesellschaft‘, das Leben von Bergerdamm. (…) Der Hanfanbau wurde nach dem Ersten Weltkrieg noch mehr intensiviert um den Ausfall des Sisals aus den ehemaligen deutschen Kolonien zu kompensieren. Zur Melioration der Luchgebietes wurde eigens ein Kriegsgefangenenlager geschaffen, ein Teil der überwiegend russischen und französischen Kriegsgefangenen wurde auch zum Hanfanbau benötigt. Die Zahl der Kriegsgefangenen ist unbekannt, aber man schätzt das ca. 5.000 Gefangene im Havelländischen Luch zur Arbeit eingesetzt wurden. Zum Vorantreiben der Meliorationsarbeiten wurde ein Feldbahnnetz geschaffen und so wurde bereits im Frühjahr 1914 ein normalspuriges fliegendes Gleis zwischen dem Bahnhof Bergerdamm an der Berlin-Hamburger Bahn und dem Ort Bergerdamm (Entfernung ca. 1 km) gelegt. Nach Abschluss der Meliorationsarbeiten blieben Teile des Feldbahnnetzes für die Nutzung als landwirtschaftliche Feldbahn erhalten, so auch die Strecken: Bergerdamm – Hertefeld – Ribbeckshorst und Paulinenaue – Eichberge – Bergerdamm.
  • 1957 wurde Hertefeld nach Bergerdamm eingemeindet.
  • 1972/73 endete die Ära des Hanfanbau und seiner Verarbeitung. Im Zuge der letzten großen Verstaatlichungswelle wurde die Hanffabrik in den Volkseigenenen Betrieb (VEB) Plakotex Fehrbellin eingegliedert und auf die Verarbeitung von Kunststoff zu Planen, Zelten und aufblasbare Schnellbootattrappen umgestellt.“ 1992 wurde die Produktion beendet und 2004 mit dem Fabrikrückbau und endgültigem Abriss begonnen: Mit der Sprengung des 20 m hohen Schornsteins im Februar 2005 verschwand das ehemalige Wahrzeichen des Bergerdammer Ortsteil Hanffabrik endgültig und nur noch der Name erinnert an ein Stück märkische Industriegeschichte.“ Heutzutage sind wenige Mauerreste Zeugen dieser Epoche.

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