Falkensee: Zwangsarbeiter während der NS-Zeit

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Bis zu 18.000 Gefangene in den Lagern

Stefan Achilles schreibt im Brandenburger Wochenblatt vom 23. April 2017 über einen Vortrag von Jürgen Bellenbaum im Kulturhaus „Johannes R. Becher“. Bereits kurz nach Hitlers Machtergreifung im Januar 1933 wurden systematisch politisch Andersdenkende verhaftet und in den ersten Konzentrationslagern festgesetzt: „Mehrere vorläufige KZ in Brandenburg wurden später zu den KZ Sonnenburg und Oranienburg, später KZ Sachsenhausen, zusammengefasst. Die Häftlinge aus Sachsenhausen wurden für acht Reichsmark pro Tag und Arbeitskraft vornehmlich an Rüstungsbetriebe ‚verliehen‘. Da sich die Wege von Sachsenhausen zu den Einsatzstellen als zu lang erwiesen, wurden später Außenlager eingerichtet. Eines davon in Falkensee, an der Hamburger Straße. Nach neuesten Erkenntnissen gilt in Falkensee für 1944 die Existenz von mindestens zehn Außenkommandos als gesichert.“

Rotkehlchenstraße, Friedrich-Ludwig-Jahn-Straß, Poststraße

„Im Siemenslager an der Rotkehlchenstraße gab es mehr als 2.300 Häftlinge, an der heutigen Friedrich-Ludwig-Jahn-Straße mehr als 1.000 sogenannte Ostarbeiter, Westarbeiter und Italiener. In der Potterstraße lebten etwa 500 Osteuropäer, in Finkenkrug rund 250 Westarbeiter und Italiener. Die Standorte sind über die gesamte Stadt verteilt und es gab noch mehr.

Zwei der älteren Besucher des Vortrags im Becherhaus erinnern sich an weitere Standorte. Demnach hatte sich ein leitender Mitarbeiter des Reichsluftfahrtministeriums das ehemals der jüdischen Familie Kolmar gehörende Grundstück in Finkenkrug angeeignet. Dort ließ er zwei Baracken errichten, in denen etwa 20 französische Zwangsarbeiterinnen Flugzeugteile fertigen mussten. In einem weiteren Lager auf dem Gelände der heutigen Förderschule wurden zahlreiche Ostarbeiterinnen gefangen gehalten.“

Agneshof

„Auch nördlich der Spandauer Straße, auf dem Gelände des heutigen Wohnparks Falkenhöh, damals Agneshof, standen mehrere Gefangenenbaracken. Insgesamt also Zustände, die keinem Falkenseer verborgen geblieben sein können. Die überwiegend verwendeten Baracken stammten aus Falkenseer Produktion. In transportablen Einheiten aus Holz hergestellt, fanden sie auch nach Kriegsende noch Verwendung, etwa für die Schule am Gutspark.“

Hamburger Straße

„Die Entstehung des Lagers an der Hamburger Straße stand im engen Zusammenhang mit der Panzer- und Sturmgeschützproduktion im Werk auf dem Gelände nahe des heutigen Bahnhofs Albrechtshof. Ursprünglich sollte dort ein riesiges Reichbahn-Ausbesserungswerk (RAW) angelegt werden. Kriegsbedingt wurden jedoch nach 1942 alle bereits errichteten Bauten von privaten Firmen, wie der Demag AG und Alkett, für die Rüstungsproduktion umgebaut beziehungsweise genutzt. Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene mussten dort bis zu 14 Stunden täglich bei schlechter Ernährung und mit unzureichender Kleidung schuften. Die Behandlung der Häftlinge war je nach Herkunft unterschiedlich. Polen und Osteuropäer wurden besonders benachteiligt. Bei Krankheit wurden die Essensrationen halbiert. Trat nach wenigen Tagen keine Besserung ein, mussten die Gefangenen nach Sachsenhausen zurück, was meist den sicheren Tod bedeutete. Gegen Kriegsende wurden die Rationen oft soweit gekürzt, dass Gefangene verhungerten. Eine von der SS beabsichtigte Evakuierung des Lagers konnte von den Gefangenen noch selbst verhindert werden, bevor am 24. April 1945 die Befreiung durch die sowjetische Armee erfolgte.

Zwischen 1.600 und 2.500 Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene aus verschiedenen europäischen Ländern litten unter den harten Bedingungen im Lager an der Hamburger Straße. Insgesamt wurden zwischen 1938 und 1945 etwa 18.000 Zwangsarbeiter in Falkensee festgehalten. Beurkundet sind nur 100 Todesfälle. Die tatsächliche Zahl liegt um ein Vielfaches höher. Schon allein deshalb, weil Kranke und Arbeitsunfähige schon nach wenigen Tagen ins KZ Sachsenhausen zurück mussten.

Zum Schluss des informativen Vortrags von Jürgen Bellenbaum wurden die Bewahrung des Andenkens und der Erhalt des Geschichtsparks an der Hamburger Straße thematisiert. In einer anschließenden kurzen Diskussion war man sich darüber einig, dass das Andenken an die Opfer der NS-Zwangsarbeit bewahrt werden, der Falkenseer Geschichtspark gepflegt und die Informationsmaterialien darüber verbessert werden müssen.“ fasst Stefan Achilles zusammen.

Vergleiche auch: Klaus Woinar: Zwangsarbeiterlager in Falkensee 1939-1945, in Heimatjahrbuch für Falkensee und Umgebung, Jg. 5 (2004), S. 51-56,  erhältlich im Museum & Galerie Falkensee www.museum-galerie-falkensee.de

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